- In der im Münsterland gelegenen „Digitalstadt Ahaus“ ist ein großer Teil der rund 40.000 Einwohner mit einer digitalen ID ausgestattet, hinzu kommen Bewohner aus dem Umland und auch Touristen.
- Damit lassen sich neben digitalen Bürgerservices der öffentlichen Verwaltung etwa auch ein kassenloser Supermarkt, ein digitaler Boots- und Fahrradverleih und sogar ein „outgesourctes Heimkino“ nutzen. Eine Smartphone-App und eine gute Mobilfunkversorgung sind zentrale Voraussetzungen zur Wahrnehmung dieser und vieler weiterer Angebote. Im Fokus steht dabei, das Leben in der Stadt attraktiv und lebenswert zu gestalten
- Interessenten aus anderen Städten können Smart-City-Führungen bei der Stadt buchen und finden zudem auf der Website der Stadt weiterführende Informationen.
Die im Münsterland nahe der holländischen Grenze gelegene Stadt Ahaus bezeichnet sich selbst als „Digitalstadt“. Der Grund: In Sachen Digitalisierung liegt die rund 40.000 Einwohner zählende Stadt weit vorne. So können Einwohner wie auch Besucher mit einer digitalen ID eine Vielzahl von Angeboten nutzen – neben digitalen Bürgerservices der öffentlichen Verwaltung in der Kommune beispielsweise auch einen kassenlosen Supermarkt, einen digitalen Boots- und Fahrradverleih und sogar ein für jedermann anmietbares Heimkino. Vereine und Unternehmen haben sich mit weiteren, eigenen Angeboten angeschlossen.
In der jüngsten Folge unseres Podcasts „MobilfunkTalk“ sprechen wir mit Thomas Spieker, Chief Digital Officer der Stadt Ahaus. Er berichtet über die Entstehungsgeschichte, vor allem aber die Erfahrungen aus diesem innovativen Projekt.
Einen deutlichen Schub hat die Digitalisierung und die Entwicklung zur Smart City im Jahr 2020 durch die Corona-Pandemie erhalten. Die damals üblichen Fragen wie digitale Alternativen zu Amtsbesuchen und die digitale Organisation von Corona-Testungen und Impfterminen führten zur schnellen Zunahme digitaler Services. Dabei profitierte Ahaus nicht zuletzt davon, dass das IT-Unternehmen Tobit Software in Ahaus ansässig ist und die Stadt intensiv bei der Einführung digitaler Lösungen unterstützt hat.
Umfangreiche digitale Angebote
Wie der Chief Digital Officer oder kurz CDO Thomas Spieker berichtet, entstand seinerzeit das Konzept, die benötigten Dienste auf einem digitalen Identitäts-Nachweis, der sogenannten Chayns-ID, aufzusetzen. Diese cloud-basierte Lösung ist es, die aus technischer Warte hinter der „digitalen ID“ steht, welche wiederum Zugang zu den in Ahaus angebotenen digitalen Services gewährt. Wie Thomas Spieker erklärt, haben die Bürgermeisterin Karola Voß und weitere städtische Mitarbeiter schnell erkannt, dass der erreichte hohe Digitalisierungsgrad ein Alleinstellungsmerkmal der Mittelstadt ist. So wurde die selbst gewählte Bezeichnung „Digitalstadt Ahaus“ geboren.
Im Fokus steht dabei, so Thomas Spieker, das Leben in der Stadt attraktiv und lebenswert zu gestalten. Eine Übersicht aller Angebote findet sich auf der eigenen Website digitalstadt-ahaus.de. Sie reichen von Gastronomie, Hotellerie und Einzelhandel über einen Bootsverleih am städtischen Barockschloss, ein stadtweites eBike-Sharing für Bürger und Touristen sowie Ladeplätze für E-Autos bis hin zu einem „outgesourcten Heimkino“ – dort können Bewohner und Gäste einzeln oder als Gruppe Zeitslots buchen, um im „cinimy“ Filme per Streaming oder von Blu-ray-Discs und DVDs auf einer großen Leinwand anzuschauen, mit einer Spielekonsole zu spielen oder Ähnliches. Darüber hinaus können Urlauber mit der digitalen ID nicht nur Hotelzimmer reservieren, sondern beispielsweise auch einen Stellplatz für ein Wohnmobil. Auch Parkplätze sind in Ahaus „digitalisiert“. Und die Stadt nutzt digitale Plattformen unter anderem für Besucherfrequenzmessungen und ein Monitoring des Energie- und Ressourcenverbrauch im Rathaus, sowie natürlich für ein möglichst breites Angebot digitaler Verwaltungsdienstleistungen. Zu diesem Zweck lässt sich die bundesweit für solche Dienste vorgeschriebene „Bund-ID“ mit der in Ahaus zentralen Chayns-ID verknüpfen.

Im Fokus steht eine Smartphone-App
An der Finanzierung der Plattform sind das Unternehmen Tobit Software, die Stadt sowie mehrere Unternehmen und Sponsoren beteiligt. Hinzu kommen staatliche Fördergelder für geeignete Projekte wie zum Beispiel die digitale Suche und Abrechnung von Parkplätzen.
Zentral für die Buchung, Bezahlung und Nutzung der verschiedenen Angebote ist eine Smartphone-App, auf der sich die Nutzerin oder der Nutzer (die prinzipiell aus ganz Deutschland, den Niederlanden oder einem anderen Land stammen können) mit der Chayns-ID anmeldet und somit identifiziert. Deshalb, so berichtet es CDO Thomas Spieker, sei auch der Mobilfunkausbau – konkret vor allem der Ausbau des 5G-Netzes – ein sehr wichtiger Baustein, um die digitalen Services und Geschäftsmodelle anbieten zu können.
Für Bürgerinnen und Bürger, die die digitalen Angebote nicht nutzen können oder wollen, werden Verwaltungsdienstleistungen und andere Services nach wie vor analog angeboten. Die Stadt habe aber auch sehr gute Erfahrungen damit gemacht, dass sich ihre Einwohnerinnen und Einwohner gegenseitig helfen. Seniorinnen und Senioren können sich Technik und Anwendungen in einem Digitalcafé erklären lassen. „Ich glaube, man muss auch nicht immer analog gegen digital ausspielen, sondern man muss beides viel mehr ineinander verzahnen und integrieren – und die weniger affinen Menschen abholen“, so die Einschätzung des CDO.
Die Angebote werden regelmäßig erweitert und ausgebaut. Tatsächlich stehe man nach Einschätzung von Thomas Spieker erst ganz am Anfang. Eine der neuesten Erweiterungen sind etwa KI-basierte Assistenten auf der Website der Stadt, die Fragen zu allen Angeboten beantworten und Links zu Detail-Informationen bereitstellen.
Interessenten können unter digitalstadt-ahaus.de Smart-City-Führungen bei der Stadt buchen und finden zudem unter dieser Webadresse weiterführende Informationen.
Veröffentlicht am 26.03.2025