Wie verändert das Handy den Alltag von Kindern und Jugendlichen?

Ein Leben ohne Handy und Internet ist für die jüngere Generation kaum mehr vorstellbar: Schon jedes fünfte Kind im Alter von 6 bis 7 Jahren kommt mit digitalen Medien in Berührung. Der positive Aspekt: Ein sicherer Umgang mit Smartphone & Co. ist eine Schlüsselqualifikation für die moderne Lebens- und Arbeitswelt. Entscheidend ist jedoch, den jungen Nutzern die entsprechende Medienkompetenz zu vermitteln und sie auch für die Risiken digitaler Kommunikation zu sensibilisieren.

Ausstattung der Kinder und Jugendlichen mit Mobilgeräten
Handys und Smartphones gehören heute für die meisten Kinder und Jugendlichen zur Grundausstattung: Laut der Studie des Branchenverbandes BITKOM „Jung und vernetzt – Kinder und Jugendliche in der digitalen Gesellschaft“ (Stand: Dezember 2014) verfügen 76 Prozent der Kinder und Jugendlichen zwischen 6 und 18 Jahren über ein Mobiltelefon. Bereits ein Fünftel der 6- bis 7-Jährigen nutzt ein Smartphone, mit steigendem Alter gehört das Gerät zum Alltag der Jugendlichen: 85 Prozent der 14- bis 15-Jährigen besitzen ein Smartphone, bei den 16- bis 18-Jährigen sind es 88 Prozent. Während die Jüngsten in der Regel noch auf die Geräte ihrer Eltern zugreifen, haben Kinder ab einem Alter von 10 Jahren meistens ein eigenes Mobiltelefon.

Der Medienpädagogische Forschungsverbund Südwest (mpfs) erhebt regelmäßig Informationen zur Mediennutzung von Kindern und Jugendlichen und veröffentlicht diese im Rahmen der JIM-Studie (Jugend, Information, (Multi-)Media) und der KIM-Studie (Kinder + Medien, Computer + Internet). Angaben der JIM-Studie 2014 zufolge haben 97 Prozent der 12- bis 19-Jährigen ein eigenes Handy, ein Smartphone besitzen 88 Prozent. Auch unter den 6- bis 13-Jährigen sind Handys weit verbreitet, wie die Ergebnisse der KIM-Studie 2014 zeigen: 47 Prozent der Kinder verfügen über ein Handy oder Smartphone. Mit steigendem Alter gewinnen die Geräte an Bedeutung: Besitzen lediglich 10 Prozent der 6- bis 7-Jährigen ein Mobiltelefon, so sind es bei den 10- bis 11-Jährigen bereits 61 Prozent und bei den 12- bis 13-Jährigen 83 Prozent.

Beliebte Handyfunktionen
Kurznachrichtendienste wie SMS, MMS oder WhatsApp sind bei den 10- bis 18-Jährigen mit 94 Prozent die wichtigste Funktion ihres Mobiltelefons – noch vor dem Telefonieren (90 Prozent). 82 Prozent nutzen Spiele, 72 Prozent surfen mobil im Netz, 66 Prozent installieren zusätzlich Apps auf ihrem Gerät und über die Hälfte (55 Prozent) ist per Smartphone in sozialen Netzwerken wie Facebook und Twitter unterwegs, so das Ergebnis der BITKOM-Studie „Jung und vernetzt“.

Für die Generation, die ganz selbstverständlich mit digitalen Medien aufwächst, hat sich der Begriff „Digital Natives“ etabliert. Die „digitale Identität“ ist ein Teil ihrer Persönlichkeit und fest in ihren Alltag integriert. Einige der Befragten gaben etwa an, dass der Austausch mit Freunden, Familienmitgliedern und Bekannten über Kurznachrichtendienste für sie wichtiger sei als persönliche Gespräche. Der hohe Stellenwert digitaler Medien wirkt sich auch auf das Sozialverhalten aus und hat eine ganz eigene, „netztypische“ Sprachkultur hervorgebracht.

Medienkompetenz im Dialog erlernen
Eltern sehen die Mediennutzung ihrer Sprösslinge oft mit gemischten Gefühlen: Einerseits ist der sichere Umgang mit digitalen Medien heute eine Schüsselqualifikation, um an der modernen Lebens- und Arbeitswelt teilzuhaben. Andererseits birgt der Gebrauch von Smartphones, Tablets & Co. auch Gefahren und kann zusätzlich von wichtigen Aufgaben ablenken.

Entscheidend ist, Kindern und Jugendlichen frühzeitig die nötige Medienkompetenz zu vermitteln, damit sie verantwortungsbewusst mit den vielfältigen Angeboten digitaler Medien umgehen können. Generell gilt: Je jünger das Kind, desto mehr sollten Eltern ihren Nachwuchs bei Ausflügen in die digitale Welt „an die Hand nehmen“. Der Branchenverband BITKOM hat Empfehlungen für Eltern zusammengestellt, wie sie ihr Kind je nach Alter sinnvoll unterstützen können. Auch die EU-Initiative Klicksafe bietet umfassende Informationsmaterialien rund um die altersgerechte und sichere Nutzung digitaler Medien an. Konkrete Altersempfehlungen und weitere Tipps für die Nutzung von Mobilgeräten hat die Initiative SCHAU HIN! für Eltern zusammengestellt.

Von Cybermobbing bis Handysucht: Die „Schattenseiten“ mobiler Kommunikation
Ein wichtiger Aspekt ist in diesem Zusammenhang der bewusste Umgang mit eigenen Daten – denn das Internet vergisst nichts. Das Posten von Fotos, Videos und Kommentaren kann schnell eine (unerwünschte) Eigendynamik entwickeln. Ein Bewusstsein hierfür ist bei den jungen Nutzern durchaus vorhanden. Dies zeigt unter anderem die BITKOM-Studie Kinder und Jugend 3.0: Nach ihrem Umgang mit persönlichen Daten im Netz befragt, gaben 88 Prozent der 16- bis 18-Jährigen an, darauf zu achten, welche Informationen sie über sich im Netz preisgeben. Bei den 14- bis 15-Jährigen sind es 78 Prozent, bei den 12- bis 13-Jährigen 71 Prozent.

Mit steigendem Alter kümmern sich junge Nutzer verstärkt und bewusster um den Schutz der persönlichen Daten: 23 Prozent der 10- bis 11-Jährigen geben an, bei der Nutzung von sozialen Netzwerken die Einstellungen zur Privatsphäre aktiv verändert zu haben, bei den 16- bis 18-Jährigen haben dies sogar 79 Prozent getan. Wer die Privatsphäre-Einstellungen verändert, legt vor allem fest (84 Prozent), für wen das eigene Profil sichtbar ist. Dies geht aus der BITKOM-Studie „Jung und vernetzt – Kinder und Jugendliche in der digitalen Gesellschaft“ hervor.

Auch Phänomene wie Cybermobbing oder Handygewalt gehören zu den Schattenseiten mobiler Kommunikation, für die der Nachwuchs sensibilisiert werden sollte. Rund ein Drittel der 10- bis 18-Jährigen hat selbst schon einmal negative Erfahrungen im Internet gemacht, jeder Siebte (14 Prozent) wurde Opfer von Mobbing (Quelle: BITKOM-Studie „Jung und vernetzt“).

Nicht zuletzt sollte der Medienkonsum in einem gewissen Rahmen bleiben – auch wenn Smartphone & Co. heute einen festen Platz im Alltag haben. Zwar gibt es bislang noch keine allgemein anerkannte Diagnose einer Handy- bzw. Internetsucht, aber eine exzessive Nutzung kann problematisch werden. Hinweise, wie man Anzeichen einer Handysucht erkennt und wie man gegensteuern kann, finden sich hier. Auch die Jugendlichen selbst setzen sich mit der exzessiven Smartphone-Nutzung kritisch auseinander: Beim Jugend forscht-Wettbewerb 2014 wurde unter anderem ein Projekt zum Thema Handysucht mit dem „Sonderpreis Mobilfunk“ ausgezeichnet.

Jugendschutz verpflichtet – Zusagen der Mobilfunkanbieter
Bereits im Jahr 2007 haben die großen deutschen Mobilfunkanbieter in Kooperation mit der Freiwilligen Selbstkontrolle Multimedia-Diensteanbieter (fsm) eine Selbstverpflichtung unterzeichnet, in der Maßnahmen zum Jugendschutz vereinbart sind. Diese beinhalten unter anderem eine kostenlose Hotline unter der allgemeingültigen Nummer 22988 sowie eine Informationswebsite, Beratungsangebote für Eltern zum Thema Jugendschutz beim Abschluss eines Handyvertrags sowie eine Option zur Sperrung des Internets. Eine Evaluation dieser Selbstverpflichtung durch die fsm-Geschäftsstelle kam 2012 zu dem Ergebnis, dass alle Maßnahmen vollständig umgesetzt wurden.