Wie lässt sich eine sachliche Bewertung der Mobilfunktechnologie erreichen?

Während die Mobilfunktechnologie von den einen als begrüßenswerter Fortschritt empfunden wird, stehen ihr andere eher skeptisch bis ablehnend gegenüber oder sehen zumindest Teilaspekte kritisch. Objektive und verständlich aufbereitete Informationsangebote können nicht nur helfen, die Diskussion zu versachlichen, sondern wirken auch Bedenken entgegen.

In Hinblick auf die Mobilfunktechnologie drehen sich auftretende Konflikte in erster Linie um den Bau oder Betrieb von Sendeanlagen. Dabei sind es vor allem gesundheitliche Bedenken, die von einem Teil der Bevölkerung geäußert werden. Ein Schlagwort taucht immer wieder in der öffentlichen Diskussion auf: Elektrosmog. Gemeint ist damit – ähnlich wie bei starker Luftverschmutzung (Smog) – die übermäßige Belastung des Menschen durch elektromagnetische Felder (EMF). Wer zu diesem Thema im Internet recherchiert, sieht sich mit einer unüberschaubaren Anzahl an Studien und Gutachten konfrontiert, deren Aussagen zueinander sehr widersprüchlich sind. Wie wissenschaftlich fundiert die einzelnen Dokumente tatsächlich sind, ist dabei gerade für Laien kaum nachvollziehbar. Die Informationsfülle im Netz erhöht daher oft die Verunsicherung und Emotionalisierung der Debatte.

Der Grad der Informiertheit beeinflusst die Risikowahrnehmung

Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS), eine dem Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) zugeordnete Bundesbehörde, führt seit 2003 regelmäßig Umfragen zur Risikowahrnehmung in Hinblick auf die Mobilfunktechnologie in der Bevölkerung durch. Der aktuelle Bericht aus dem Jahr 2014 kann im digitalen Informationssystem des BfS heruntergeladen werden. Den Ergebnissen zufolge sehen 28 Prozent der Bevölkerung Mobilfunksendeanlagen als mögliches Gesundheitsrisiko an, 23 Prozent machen sich Sorgen über die von Mobilgeräten ausgehenden elektromagnetischen Felder. Handys selbst werden von 18 Prozent der Bevölkerung als mögliches Gesundheitsrisiko wahrgenommen.

Das BfS hat in der Studie herausgefunden, dass der Grad der Informiertheit die persönliche Besorgnis beeinflusst. Hier gibt es deutliche Unterschiede innerhalb der Bevölkerung: 36 Prozent der Befragten gaben in der aktuellen BfS-Umfrage an, sich näher mit dem Thema EMF beschäftigt zu haben, genauso viele haben sich noch nie damit auseinandergesetzt. 24 Prozent schätzten sich selbst als sehr gut informiert ein, 26 Prozent halten sich für völlig uninformiert. 29 Prozent wünschen sich mehr Informationen zum Thema und würden dabei in erster Linie auf das Internet zugreifen. Ein Drittel der Bürger (34 Prozent) hält das Informationsangebot für nicht ausreichend bzw. wünscht sich verständlichere Informationen.

Auf Basis dieser Ergebnisse empfiehlt das Bundesamt für Strahlenschutz, verstärkt allgemeinverständliches, ansprechendes Informationsmaterial bereitzustellen – vor allem im Internet.

Fundierte und unabhängige Informationsquellen

Wer objektive und wissenschaftlich fundierte Informationen zum Thema EMF sucht, sollte sich an unabhängige Institutionen wie das BfS wenden. Zum Einlesen eignet sich etwa dessen Themenseite zum Mobilfunk. Auch auf den Websites der Weltgesundheitsorganisation (WHO), der Strahlenschutzkommission (SSK) und der Europäischen Kommission gibt es entsprechende Informationsangebote. Umfassende Informationen zur EMF-Forschung sowie zu Hintergründen und Studienergebnissen bietet das EMF-Portal der RWTH Aachen.

Im Deutschen Mobilfunk-Forschungsprogramm (DMF), einem vom BfS gemeinsam mit dem BMUB initiierten Großprojekt, wurden im Zeitraum von 2002 bis 2008 insgesamt 54 Forschungsvorhaben aus den Bereichen Biologie, Dosimetrie, Epidemiologie und Risikokommunikation durchgeführt. 2008 wurde der DMF-Abschlussbericht veröffentlicht. Die Strahlenschutzkommission nahm 2008 eine Bewertung der Ergebnisse vor und ergänzte diese 2011 sowohl um noch ausstehende Forschungsprojekte des DMF als auch um weitere, neu veröffentlichte Studien. Die SSK kam zu dem Schluss, „dass die ursprünglichen Befürchtungen über gesundheitliche Risiken nicht bestätigt werden konnten. Es haben sich durch die Forschungsergebnisse des DMF auch keine neuen Hinweise auf bisher noch nicht bedachte gesundheitliche Auswirkungen ergeben. In Übereinstimmung mit anderen internationalen Gremien (ICNIRP 2009, WHO 2011) kann festgestellt werden, dass die den bestehenden Grenzwerten zugrunde liegenden Schutzkonzepte nicht in Frage gestellt sind.“

Neuere Studien zum Thema EMF im Rahmen des Umweltforschungsplans des BMUB stützen diese Aussagen. Auch die Bundesregierung veröffentlicht im Turnus von zwei Jahren einen Bericht über aktuelle Forschungsergebnisse im Mobilfunk. Der neuste Bericht von Januar 2015 bestätigt die Aussagen der SSK. Darin kommt die Regierung zu dem Schluss, „dass durch die geltenden Grenzwerte der 26. BImSchV die Bevölkerung ausreichend vor gesundheitlichen Auswirkungen hochfrequenter elektromagnetischer Felder geschützt ist.“ Der Bericht kann hier abgerufen werden.