Wie erleichtert das Handy die medizinische Betreuung von Patienten?

Im Gesundheitsbereich eröffnet die Mobilfunktechnik neue Möglichkeiten: Telemedizin verbessert nicht nur die Sicherheit, sondern auch die Lebensqualität von chronisch oder schwer kranken Patienten. Gleichzeitig steigert sie die Effizienz im Gesundheitswesen und hilft so, Kosten zu senken.

Unter Telemedizin (E-Health) versteht man die Diagnostik, Prävention oder Therapie über räumliche Distanzen hinweg. Das funktioniert durch eine Kombination von Mobiltelekommunikations- und Informationstechnologie. Eine engmaschige medizinische Betreuung – etwa von chronisch kranken Patienten – ist dadurch nicht mehr unbedingt an einen Klinikaufenthalt oder tägliche Arztbesuche gebunden. Ein weiterer Vorteil  besteht in einem deutlich verbesserten Informationsaustausch zwischen Arztpraxen, Kliniken, Rehabilitationszentren und Patienten. Telemedizinische Dienste werden in der Arzt-Patienten-Kommunikation sowie in der medizinischen Versorgung eingesetzt.

Als technische Weiterentwicklung gelten M-Health-Anwendungen (Mobile Health), die telemedizinische Dienste auf Mobilgeräten wie Smartphones und Tablets bereitstellen. Diese Angebote umfassen Gesundheits-Apps und Fitnessprogramme und richten sich vor allem an Konsumenten.

Infarktvorsorge via Handy

Telemedizinische Anwendungen ermöglichen es Patienten, Gesundheitskontrollen selbst vorzunehmen. Infarktgefährdete Patienten können zum Beispiel per Mobilfunk ihre Herztätigkeit rund um die Uhr überwachen lassen. Ein tragbares EKG-Gerät misst die Herzströme, die per Knopfdruck an das Handy verschickt und von dort aus an ein medizinisches Service-Center weitergeleitet werden. Der behandelnde Arzt kann sie dort jederzeit abrufen, frühzeitig Warnsignale erkennen und bei Bedarf reagieren.

Modellprojekte in Deutschland

Vor allem für Menschen in ländlichen Regionen sind mobile Diagnosesysteme wie diese hilfreich, da lange Anfahrten und Wartezeiten in der Praxis entfallen. So können Herzinsuffizienz-Patienten in Brandenburg Daten zu EKG, Blutdruck und Gewicht zu Hause selbst erfassen und über ein mobilfunkgestütztes Gerät in die Telemedizinzentren nach Cottbus und Brandenburg übermitteln.

Die Telemedizineinrichtungen sind Prüfzentren im Rahmen einer klinischen Studie, die von der Charité-Universitätsmedizin durchgeführt wird. Das Forschungsprojekt der Charité heißt „Gesundheitsregion der Zukunft Nordbrandenburg – FONTANE“ und wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert. Seit August 2013 wird das Projekt in einer klinischen Studie mit 1.500 Patienten ausgewertet. Darin wird untersucht, welche Effekte eine Kombination aus ambulanter Versorgung und telemedizinischer Betreuung von Patienten mit Herzschwäche im ländlichen Raum Brandenburgs hat.

Im März 2015 fiel in Mainz der Startschuss für das Projekt „Vernetzte Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS) mit dem elektronischen Medikationsplan in Rheinland-Pfalz“, das vom Ministerium für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demografie gefördert wird. Ziel des Projektes ist es, unerwünschte Wirkungen, Doppelverordnungen oder Wechselwirkungen von Arzneimitteln zu vermeiden. Dazu erhalten Patienten nach einem stationären Krankenhausaufenthalt einen Medikationsplan, der von Hausärzten und Apotheken elektronisch aktualisiert werden kann. Das Modellprojekt läuft bis Anfang 2016.

EU-Kommission fördert telemedizinisches Modellprojekt

Die Europäische Kommission hat im Dezember 2013 erstmals grünes Licht für die staatliche Unterstützung einer Plattform für telemedizinische Dienste gegeben. Das EU-Modellprojekt „CCS Telehealth Ostsachsen“ soll die medizinische Versorgung von Menschen in entlegenen Gebieten verbessern. Rund 10 Millionen Euro stellen die EU-Kommission und der Freistaat Sachsen zur Finanzierung bereit.

In dem Projekt sind über 600 Partner aus rund 200 Institutionen der Bereiche Forschung, Versorgung, Gesundheitsvorsorge, Patientenvertretung, Wirtschaft und Politik vernetzt.  Ziel ist es, eine offene und erweiterbare Telemedizin-Infrastruktur für Krankenhäuser und ambulante Praxen in der Region Ostsachsen zu entwickeln. Nach zweijähriger technischer und medizinischer Aufbauarbeit hat das Projekt am 1. Juli 2015 den Pilotbetrieb aufgenommen. Derzeit werden Anwendungen zur Herzinsuffizienz, zur Schlaganfall-Nachsorge und zu Gewebeuntersuchungen durchgeführt.

Gesetzlicher Rahmen

Im Juli 2015 wurde ein Gesetzentwurf zum sogenannten E-Health-Gesetz (Gesetz für sichere digitale Kommunikation und Anwendungen im Gesundheitswesen) im Bundestag präsentiert. Das Gesetz soll 2016 in Kraft treten und neben einer Förderung von nutzbringenden Anwendungen der elektronischen Gesundheitskarte vor allem die Errichtung einer zentralen Infrastruktur für eine sichere Kommunikation im Gesundheitswesen gewährleisten.