Wie entwickelte sich der digitale Mobilfunk in Deutschland?

Die Entwicklungsgeschichte der mobilen Kommunikation reicht zurück bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts. Bereits vor dem Start des sogenannten A-Netzes Ende der 50er Jahre wurde in Deutschland mobil telefoniert.

Schon 1918 startete die Deutsche Reichsbahn erste Tests im Bereich der mobilen Telefonie. 1926 konnten Bahnreisende der 1. Klasse auf der Strecke Berlin-Hamburg erstmals aus dem fahrenden Zug heraus mobil telefonieren. Der erste wirkliche Mobilfunkdienst in Deutschland war der Seefunkdienst. Bis in die 50er Jahre wurden zudem verschiedene Funknetzsysteme wie Hafen-, Zug- und Stadtfunkdienste eingerichtet, die meist auf Langwellen-, später auf Mittelwellen-Funk basierten.

Die Öffnung der Telefonmärkte in Deutschland und die Entwicklung immer günstigerer Endgeräte führten in den 90er Jahren zu einem wahren Boom. Bereits 2006 gab es in Deutschland mehr Handys als Einwohner. Ende 2012 kamen auf 82 Millionen Menschen über 113 Millionen Anschlüsse (Quelle: Jahresbericht der Bundesnetzagentur 2012). Zwischen 2002 und 2012 hat sich die Mobilfunknutzung in Deutschland somit verdoppelt. Aktuell besitzt jeder Deutsche im Schnitt 1,4 Handys (Quelle: Jahresbericht der Bundesnetzagentur 2014).

Meilensteine der Mobilfunkentwicklung

1918

Die Deutsche Reichsbahn startet erste Tests zur mobilen Telefonie.

1926

Auf der Strecke Berlin-Hamburg wird erstmals eine mobile Funkübertragung für Fahrgäste eingerichtet.

1958

Das A-Netz startet als erstes nationales Mobilfunknetz.

1972

Das B-Netz startet: Telefonieren ohne Vermittlung ist möglich.

1977

Das A-Netz wird abgeschaltet.

1983

Das erste tragbare Mobiltelefon wird veröffentlicht: Motorola Dynatac 8000.

1985

Das C-Netz startet als erstes teilweise digitales Mobilfunknetz.

1992

Einführung des GSM-Standards: Die zweite Mobilfunkgeneration (2G) startet mit dem D-Netz, das im GSM-900-Frequenzbereich sendet. Die breite Bevölkerung erhält Zugang zur mobilen Kommunikation.

1993

Über eine Million Mobilfunkanschlüsse gibt es in Deutschland.

1994

Start des E-Netzes, das im DCS-1.800-Frequenzbereich sendet: Versenden von Faxen und Datenübertragungen sind möglich.

1994

Das B-Netz wird eingestellt.

1995

Der Short Message Service (SMS) wird eingeführt.

1997

Die Prepaid-Card (Guthabenkarte) wird eingeführt.

1998

Ein zweites E-Netz startet.

1998

Über zehn Millionen Mobilfunkanschlüsse gibt es in Deutschland.

2000

Startschuss von UMTS (3G): In Deutschland werden Sendelizenzen mit Frequenzen versteigert.

2000

Das C-Netz wird eingestellt.

2006

Über 85 Millionen Mobilfunkanschlüsse gibt es in Deutschland: erstmals mehr Handys als Einwohner.

2006

LTE, Mobilfunk der 4. Generation (4G): Entwicklung eines weltweit einheitlichen Standards. Erste öffentliche Präsentation in Hongkong.

2010

Startschuss LTE in Deutschland: Lizenzversteigerung durch die Bundesnetzagentur.

2011

55 Milliarden SMS werden in Deutschland versendet.

2012

LTE steht über 50 Prozent der deutschen Haushalte zur Verfügung.