Welche Fachgremien und Institutionen bewerten den aktuellen Forschungsstand?

Wer sich für Mobilfunk und den aktuellen Forschungsstand interessiert, der ist auf aktuelle und sachliche Informationen angewiesen. Für interessierte Bürger, aber auch für öffentliche Institutionen und politische Entscheidungsträger spielen daher unabhängige nationale und internationale wissenschaftliche Fachgremien eine wichtige Rolle als Informationsvermittler. Sie sammeln, prüfen und bewerten alle verfügbaren Forschungsergebnisse.

Zu diesen Gremien gehören unter anderem die Internationale Kommission zum Schutz vor nicht ionisierender Strahlung (ICNIRP), die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die deutsche Strahlenschutzkommission (SSK). Sie prüfen laufend die neusten wissenschaftlichen Arbeiten und fassen ihre Ergebnisse in Forschungsberichten zusammen. Darüber hinaus bewerten sie die Studienergebnisse und geben Empfehlungen ab, beispielsweise für die Grenzwertfestlegung der elektromagnetischen Felder des Mobilfunks.

Auf Basis der aktuellen Forschungsergebnisse kommen die Expertengremien übereinstimmend zu dem Schluss, dass bei Einhaltung der Grenzwerte eine sichere Nutzung der Mobilfunktechnologie für alle Personengruppen gewährleistet ist. Dennoch sehen sie weiteren Forschungsbedarf, vor allem hinsichtlich der Langzeiteffekte des Mobilfunks auf den Menschen. Auch die Frage, ob Kinder empfindlicher auf Mobilfunkfelder reagieren als Erwachsene, soll in derzeit laufenden Langzeitstudien geklärt werden.

Die internationale Strahlenschutzkommission (ICNIRP)

Die ICNIRP ist ein Expertengremium, das aus 14 unabhängigen Wissenschaftlern aus zehn Ländern besteht. Sie gehören verschiedenen Fachrichtungen wie etwa Physik, Medizin, Epidemiologie, Physiologie oder Biologie an.

Alle Wissenschaftler sind an Universitäten, Forschungseinrichtungen oder Strahlenschutzbehörden tätig. Die ICNIRP bewertet auf internationaler Ebene fortlaufend die Forschungsarbeiten zu elektromagnetischen Feldern. Dabei werden auch mögliche Effekte der Immissionen des Mobilfunks berücksichtigt. Die Kommission veröffentlicht auf dieser Grundlage zusammenfassende Forschungsberichte und gibt Risikobewertungen ab. Ihre Arbeit wird sowohl von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als auch von der Europäischen Union (EU) und der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) anerkannt. Die ICNIRP gilt damit als kompetente Institution für die Empfehlung von Grenzwertfestlegungen im Bereich der nicht ionisierenden Strahlung.

Die Organisation, deren Sekretariat sich in Oberschleißheim befindet, kooperiert bei ihrer Arbeit mit einer Reihe nationaler und internationaler Wissenschaftsgremien. Im Rahmen von zwei großen Gesundheitsprogrammen zu elektromagnetischen Feldern (EMF project) und zur UV-Strahlung (INTERSUN) arbeitet sie direkt mit der WHO zusammen.

Die Einrichtung arbeitet eng mit der Europäischen Kommissionn zusammen. Außerdem kooperiert sie mit der International Radiation Protection Association (IRPA), dem Institute of Electrical and Electronic Engineers (IEEE) sowie mit zahlreichen internationalen Organisationen im Bereich nicht ionisierender Strahlung.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO)

Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) untersucht seit mehr als 20 Jahren fortlaufend die aktuellen wissenschaftlichen Arbeiten zu den Wirkungen elektromagnetischer Felder. Sie überprüft, inwieweit deren Ergebnisse eine Änderung der bestehenden Grenzwerte notwendig machen. Regelmäßig gibt sie dazu neue Empfehlungen heraus.

Als Reaktion auf die wachsende Besorgnis der Bürger in vielen Mitgliedsstaaten über mögliche gesundheitliche Auswirkungen durch die zunehmende, aus verschiedenen Quellen stammende Belastung durch elektromagnetischer Felder (EMF) hat die WHO im Mai 1996 ein internationales Projekt zur Beurteilung der Auswirkungen elektrischer und magnetischer Felder auf die Gesundheit und Umwelt - das Internationale EMF-Projekt - ins Leben gerufen.

Zur Förderung der wissenschaftlichen Zusammenarbeit im Bereich Krebsforschung hat die WHO die internationale Krebsforschungsagentur IARC (International Agency for Research on Cancer) ins Leben gerufen. Eine ihrer zentralen Aufgaben ist die Einstufung des Krebsrisikos bestimmter Stoffe für den Menschen. Im Jahr 2011 hat die IARC das Krebsrisiko hochfrequenter elektromagnetischer Felder klassifiziert.

Die deutsche Strahlenschutzkommission (SSK)

Auf nationaler Ebene ist die Strahlenschutzkommission des Bundes (SSK) ein wichtiges Gremium zur Beurteilung möglicher Effekte durch elektromagnetische Felder. Die SSK berät das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) in allen Angelegenheiten des Schutzes vor ionisierenden und nicht ionisierenden Strahlen. Ihre Tätigkeit umfasst unter anderem die Auswertung der Empfehlungen für den Strahlenschutz, die von internationalen Gremien wie der ICNIRP und der WHO erarbeitet werden. Die Kommission veröffentlicht zudem regelmäßig Berichte und Bewertungen zum aktuellen Forschungsstand.

Die Mitglieder der SSK sind unabhängig und nicht an Weisungen gebunden. In der Regel besteht die Kommission aus verschiedenen Experten, die besondere Erfahrungen auf dem Gebiet der Strahlenmedizin, der Strahlenbiologie, der Strahlenschutztechnik, der nicht ionisierenden Strahlung, der Radioökologie, des Strahlenschutzes oder des Notfallschutzes haben. Das zuständige Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit beruft die SSK-Mitglieder in der Regel für die Dauer von drei Jahren.

Weitere Expertengremien

Weitere wichtige Expertengremien sind beispielsweise der Gesundheitsrat der Niederlande oder das wissenschaftliche Komitee zu aufkommenden und neu identifizierten Gesundheitsrisiken (SCENIHR) der Europäischen Union. Auch sie haben in den vergangenen Jahren den aktuellen Forschungsstand zu elektromagnetischen Feldern in Forschungsberichten zusammengefasst.

Stand: März 2015