Rohstoffgewinnung – ressourcenintensiv und konfliktreich

Die Rohstoffgewinnung ist die Startphase im Lebenszyklus eines Handys. Die benötigten Metalle stammen aus verschiedenen Teilen der Erde, schwerpunktmäßig aus Entwicklungs- oder Schwellenländern wie Südafrika, der Demokratischen Republik Kongo oder China.

Der Bau und Betrieb von Minen geht oft mit Umweltschäden einher: Um an die Erz führenden Schichten zu gelangen, müssen häufig großflächig Wälder gerodet sowie Erde und Gestein weggeschafft werden. Hinzu kommt, dass sich Edelmetalle zum Teil nur durch den Einsatz giftiger Chemikalien wie Quecksilber aus dem Gestein lösen lassen – es besteht die Gefahr, dass die schädlichen Substanzen in die Umwelt gelangen.

Oft ist der Abbau auch mit menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen verbunden: Kinderarbeit, mangelnde Sicherheitsvorkehrungen und Überstunden sind keine Seltenheit. Auf der anderen Seite schafft der Rohstoffhandel gerade in Entwicklungsländern wichtige Arbeitsplätze, die das Überleben der Menschen sichern.
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Der Kampf um Konfliktmineralien

Vorkommen mineralischer Rohstoffe wie Gold oder Zinn können zu gewaltsamen Konflikten um die Gewinnung und Vermarktung dieser Ressourcen führen. Herrschen Auseinandersetzungen um den Abbau der Rohstoffe in den Förderländern, werden die betreffenden Ressourcen als Konfliktmineralien bezeichnet.

Die Bedeutung der Konfliktmineralien für den Rohstoffabbau lässt sich am Beispiel des Erzes Coltan erklären. Aus Coltan wird das für die Handyproduktion notwendige Metall Tantal gewonnen. Größere Rohstoffvorkommen gibt es u.a. in der Demokratischen Republik Kongo. Dort finanzierte der Coltanabbau über viele Jahre einen grausamen Bürgerkrieg: Da es relativ leicht abgebaut werden kann, besetzten die Rebellen zahlreiche Minen und ließen das Erz unter gefährlichen Bedingungen fördern, um es anschließend gewinnbringend zu verkaufen. Mittlerweile wird der Rohstoffabbau und -handel stärker kontrolliert und findet auch unter verbesserten Bedingungen in „konfliktfreien“ Minen statt. Der Rohstoffabbau  bietet vielen Menschen in der Demokratischen Republik Kongo zumindest ein geringes Einkommen (Quelle: Südwind Institut).

Die Vereinten Nationen (UN) arbeiten an einem Zertifizierungssystem, mit dem illegal gehandelte Ressourcen vom Weltmarkt ausgeschlossen werden sollen. Im März 2014 hat die Europäische Kommission einen Verordnungsentwurf zu Konfliktmineralien vorgelegt. Der Vorschlag sieht eine freiwillige Selbstzertifizierung von Importeuren vor, die  Tantal, Zinn, Wolfram und Gold in die EU einführen. Die Importeure müssen bestimmte Sorgfaltspflichten („due diligence“) erfüllen. Der Vorschlag benötigt die Zustimmung des Rates der Europäischen Union (Quelle: EU-Kommission).

Initiativen zur Verwendung konfliktfreier Mineralien

Mittlerweile achtet die Industrie stärker darauf, konfliktfreie Materialien für die Produktion ihrer Elektrogeräte zu verwenden. So haben Firmen wie Apple, Intel und HP angekündigt, bei der Herstellung ihrer Geräte vermehrt konfliktfreie Materialien einzusetzen.

Weitere Hersteller engagieren sich in Projekten zur verantwortlichen Gewinnung von Tantal auch in Konfliktregionen. So hat Motorola das Projekt „Solutions for Hope“ ins Leben gerufen, an dem sich zusätzlich HP, Intel, Foxconn, Nokia und Blackberry beteiligen. Das Projekt wird von der Fairphone-Initiative unterstützt. Das Fairphone ist das erste fair gehandelte Smartphone, für dessen Produktion ausschließlich Zinn und Tantal aus konfliktfreien Minen verwendet werden. Auf der Fairphone-Website wird offengelegt, welche Wege die Rohstoffe zurücklegen, um im Handy verbaut zu werden.

Die Rohstoffgewinnung wird in verschiedenen Filmen und Beiträgen thematisiert. Einige Bespiele: