Mobilfunk und Schule

Ohne Handy das Haus verlassen? Für die meisten Kinder und Jugendlichen unvorstellbar. Fast jedes zweite Kind zwischen 6 bis 13 Jahren hat heute nach Angaben der KIM-Studie 2014 des Medienpädagogischen Forschungsverbundes Südwest (mpfs) ein eigenes Handy oder Smartphone, bei Jugendlichen bis 19 Jahren sind es mittlerweile 97 Prozent (vgl. JIM-Studie 2014 des mpfs). Diese mobile Lebenswirklichkeit macht auch vor dem Klassenzimmer nicht halt.

Unter Bildungsexperten ist umstritten, ob sich daraus eher Chancen oder Probleme ergeben. An vielen Schulen gilt heute ein striktes Handyverbot. Das bedeutet, die Schüler dürfen zwar ein Handy mitführen – der Gebrauch ist jedoch auf dem gesamten Schulgelände untersagt. Eine bundesweit einheitliche Regelung  zur Handynutzung an Schulen existiert nicht; lediglich in Bayern ist ein Verbot gesetzlich festgeschrieben. In allen anderen Bundesländern treffen die Schulen Regelungen in Eigenverantwortung. Alternativ zu Verboten existieren Regelungen für spezielle „Handyinseln“, in denen telefoniert werden darf, oder Hausordnungen mit klarer „Handyquette“, die rücksichtsvolles Verhalten gegenüber anderen festschreiben und regeln, dass Handys im Unterricht auszuschalten sind und dass Mobiltelefone auf dem Pausenhof nicht zur Stereoanlage umfunktioniert werden dürfen.

Medienkompetenz vermitteln
Gleichwohl muss das Handy Platz im Schulalltag haben. Das erkennt auch das Bayerische Gesetz über das Erziehungs- und Unterrichtswesen an und betont in der Verordnung zum Handyverbot: „Das Verbot schließt nicht aus, dass der verantwortungsvolle Umgang mit Mobiltelefonen und digitalen Speichermedien im Unterricht thematisiert und pädagogisch aufbereitet wird. Vielmehr greifen Verbot und flankierende pädagogische Maßnahmen sinnvoll ineinander und unterstützen sich gegenseitig.“ Und dass Mobilfunkgeräte auch als kreatives Lern- und Unterrichtsmedium den Unterricht bereichern können, zeigt beispielsweise das Fachbuch „Mobiles Lernen mit dem Handy – Herausforderung und Chance für den Unterricht“ aus dem BELTZ Verlag. Die Autoren skizzieren in ihrem Werk 50 Lernszenarien für verschiedene Schulformen (Grundschule, weiterführende Schule, Berufsschule) und stellen beispielhafte Unterrichtseinheiten vor.

Auch der ICILS-Studie zufolge, welche die Fähigkeiten von Achtklässlern im Umgang mit digitalen Technologien in verschiedenen Ländern ausgewertet hat, birgt die Nutzung mobiler digitaler Medien zu Lernzwecken großes Potenzial. Die Vermittlung eines korrekten Umgangs mit den Medien sieht die Studie als wichtige Aufgabe des Schulsystems. Zahlreiche Ansätze und Bildungsprojekte zeigen Wege auf, um Smartphones und Handys in den Unterricht sinnvoll zu integrieren und Schülern einen verantwortungsvollen Umgang mit den Geräten zu vermitteln – hierzu zählt auch das Schulprojekt Mobilfunk des Informationszentrum Mobilfunk.

Gesundheitsrisiko WLAN?
Neben der Frage, wie die Handynutzung an Schulen geregelt sein sollte, stehen auch drahtlose Netzwerke (WLAN) an Schulen immer wieder in der Diskussion. Es gibt Einrichtungen und Initiativen, die gesundheitliche Risiken befürchten und deshalb an Schulen  nur kabelgebundene Lösungen für die Internetnutzung sehen wollen. Dazu erklärt das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS): „Bei Einhaltung der empfohlenen Höchstwerte sind nach derzeitiger Kenntnis keine gesundheitlich nachteiligen Wirkungen auf Körpergewebe nachgewiesen.“ (Infoblatt Sprach- und Datenübertragung per Funk: Bluetooth und WLAN, 2012)

Das IZMF hat im Jahr 2015 verschiedene Hochfrequenzquellen im Alltag gemessen (unter anderem WLAN und Mobilfunk) und hat im Rahmen dieser Studie auch Messungen in der Schule vorgenommen. Das Ergebnis: WLAN-Dienste im Klassenzimmer trugen nur minimal zur Gesamtimmission bei. Die Gesamtexposition der Schüler verändert sich jedoch, wenn viele Handys aktiv sind. Während des Unterrichts, bei dem die Schüler ihre Mobiltelefone nicht benutzten, wurde nur eine geringe Exposition gemessen. Die Immissionen im Klassenzimmer nahmen jedoch zu, als rund 20 Schüler ihre Handys gleichzeitig einschalteten. „Entscheidend für die Immissionsbilanz und Exposition der Schüler ist daher nicht die WLAN-Versorgung, sondern ihr eigenes Nutzerverhalten“, erläutert Dagmar Wiebusch, Geschäftsführerin des IZMF. Die Ergebnisse weiterer Studien – unter anderem Untersuchungen der Health Protection Agency, der ARC Seibersdorf research GmbH, des Scientific Advisory Committee on Radio Frequencies and Health (CCARS) und WLAN-Untersuchungen des IZMF aus dem Jahr 2005 – stützen den Befund, dass WLAN nur geringe Immissionen erzeugt.