Lernen mit Handy, Smartphone und Tablet

Vor der Lateinklausur noch schnell die wichtigsten Vokabeln durchgehen? Dazu braucht man heute keine Karteikarten mehr - ein Vokabeltrainer auf dem Smartphone genügt. Und wer vor einer Auslandsreise kurzfristig die wichtigsten landestypischen Gepflogenheiten nachschlagen will, kann dies noch am Flughafen bequem erledigen. Das Lernen mit mobilen Endgeräten – auch als Mobile Learning (M-Learning) bezeichnet – wird immer komfortabler und zunehmend beliebter. Laut einer Prognose des MMB-Instituts für Medien- und Kompetenzforschung in Essen wird M-Learning schon in wenigen Jahren das inzwischen weit verbreitete digitale E-Learning, also das Lernen am stationären Computer, überrunden.

Den rapide voranschreitenden Wechsel vom Einsatz stationärer Computer hin zu Tablet-PCs und leistungsfähigen Smartphones im Bereich des digitalen Lernens thematisiert auch der Branchenverband BITKOM in seinem Grundsatzpapier "Sieben gute Gründe für mobiles Lernen". Wissenschaftlich erforscht wird M-Learning mit Mitteln des Bundes und der EU unter anderem unter der Federführung der „Forschungsgruppe Mobile Learning“ der FernUniversität Hagen, die regelmäßig den Mobile Learning Day veranstaltet.

Immer mehr Unternehmen setzen M-Learning ein
Mobiles Lernen ermöglicht es, sich orts- und zeitunabhängig Wissen anzueignen. Die Wartezeiten auf Bus, Bahn oder Flugzeug lassen sich so genauso gut als Lerneinheit nutzen wie die Zeit zwischen zwei Geschäftsterminen. Das kann in der heutigen Arbeitswelt, in der oft große zeitliche und räumliche Flexibilität gefordert sind, von Vorteil sein. Immer mehr Unternehmen machen von den Möglichkeiten des M-Learnings Gebrauch, wie eine Umfrage zum Einsatz von digitalen Lernangeboten in ITK-Unternehmen des Branchenverbands BITKOM (Stand: 2013) zeigt: 26 Prozent der befragten Unternehmen gaben dabei an, auf mobile Lernangebote mit Apps für Tablets und Smartphones zurückzugreifen. Im Papier „Sieben gute Gründe für mobiles Lernen“ (2014) betont der IT-Verband, dass Lernen auf Smartphones und Tablets künftig stark zunehmen und gerade Unternehmen völlig neue Möglichkeiten verschaffen werde.

Die kleinen „Lernhäppchen“ zwischendurch ersetzen zwar keine Weiterbildungsmaßnahmen mit komplexen Inhalten; sie können diese jedoch sinnvoll ergänzen. So entwickelten Wissenschaftler der TU Darmstadt im Pilotprojekt „Mobiles Lernen für Elektromobilität“ eine App, die KFZ-Handwerkern Weiterbildungsinhalte für die Wartung neuartiger Elektromotoren vermittelt.

M-Learning im Praxistest: Aktuelle Bildungsprojekte
In einigen Bundesländern und Städten gibt es Modellprojekte für den Einsatz digitaler Medien im Unterricht. In Niedersachsen lief bis Sommer 2015 das Pilotprojekt „Mobiles Lernen mit Tablet-Computern“. Darin wurde die Eignung von Tablet-PCs für das Mobile Learning und deren Wirksamkeit zur Verbesserung der Unterrichtsqualität untersucht. Insgesamt 16 Schulen nahmen landesweit an dem dreijährigen Projekt teil. Die wichtigsten Ergebnisse inklusive Best Practice-Beispielen sollen in einem Abschlussbericht auf dem niedersächsischen Bildungsserver veröffentlicht werden. 

Anfang 2015 wurde in Hamburg das Pilotprojekt „Start in die nächste Generation“ an sechs Schulen mit über 750 Schülern gestartet. Ziel ist der sinnvolle Einsatz von Smartphones, Tablets und Laptops im Unterricht. Dabei werden die eigenen Geräte der Schüler genutzt und Tafel, Schulbuch und Schulheft nicht ersetzt, sondern ergänzt.