Die Natur im Blick: Handyproduktion unter Umweltaspekten

Der Fertigungsprozess von Mobiltelefonen ist sehr aufwändig und belastet die Umwelt. Inzwischen gibt es immer mehr Initiativen, die sich für eine umweltfreundliche Produktion von Handys einsetzen.

Das Engagement der Hersteller
Zwar kann man beim bisherigen Marktangebot noch nicht von wirklich „grünen“ Handys sprechen, doch immer mehr Hersteller arbeiten an umweltfreundlicheren Modellen. Mittlerweile wurden verschiedene Projekte initiiert, aus denen fair produzierte und ökologisch nachhaltige Mobiltelefone hervorgehen sollen. Dazu zählen Fairphone, Project Ara, Puzzlephone, Sailfish sowie Initiativen von Vsenn, Alcatel und Xiaomi.

Das Fairphone gilt als das erste sozial- und umweltverträgliche Smartphone. Für seine Produktion werden ausschließlich Zinn und Tantal aus konfliktfreien Minen verwendet. Bisher wurden bereits über 58.000 Exemplare des Fairphones weltweit verkauft.

Handys nach dem Baukastenprinzip
Hersteller entwickeln verstärkt Konzepte für modulare Smartphones. Diese ermöglichen es, Einzelteile wie Speicher, Prozessor oder Akku unabhängig voneinander auszutauschen. Versagt ein Bauteil, können Nutzer es einfach wechseln anstatt ein neues Gerät kaufen zu müssen. Dadurch können Handys länger genutzt werden, was sich positiv auf die Umwelt auswirkt. Die Idee stammt von dem niederländischen Designer Dave Hakkens. Sein Konzept Phonebloks wird mittlerweile von Google mit dem Project Ara umgesetzt. Der Prototyp des Smartphones Ara soll in der zweiten Jahreshälfte 2015 in Puerto Rico getestet werden.

Anforderungen an umweltfreundliche Smartphones
Die Telecommunications Certification Organization (TCO) hat Kriterien für nachhaltige Smartphones entwickelt. Damit Mobiltelefone die Zertifizierung TCO Certified Smartphones erhalten, müssen sie verschiedene Anforderungen erfüllen. Dazu zählen unter anderem die Einhaltung internationaler Arbeitsstandards, die Reduzierung von Schadstoffen bei der Produktion, eine verbesserte Energieeffizienz sowie spezielle Gesundheits- und Sicherheitsvorschriften.

Auch die Internationale Fernmeldeunion ITU (International Telecommunication Union) hat Standards für die ökologische Bewertung von mobilen Endgeräten definiert. Im Dezember 2013 hat die ITU-Expertengruppe „Green ICT“ ihre Ergebnisse veröffentlicht: Die Richtlinien betreffen umweltfreundliche Universalladegeräte für Laptops und weitere tragbare Geräte, umweltfreundliche Batterien für mobile Endgeräte und Methoden zur Festlegung der Menge an seltenen Metallen in den Produkten. Die Maßnahmen zielen darauf ab, Elektroschrott zu reduzieren und die Energieeffizienz der Produkte zu erhöhen.

Umweltzeichen mit Tradition: Der „Blaue Engel“
Auf nationaler Ebene gibt es das Umweltzeichen „Blauer Engel“, das seit dem Jahr 2002 auch Mobiltelefone erhalten können. Mit dem Siegel werden Handys ausgezeichnet, die Gesundheits- und Umweltaspekte gleichermaßen berücksichtigen. Ein Mobiltelefon muss unter anderem diese Anforderungen erfüllen, um mit dem „Blauen Engel“ gekennzeichnet zu werden:

  • Sein SAR-Wert beträgt maximal 0,6 Watt pro Kilogramm
  • Die Bauteile sind recyclinggerecht konstruiert
  • Es ist langlebig (Garantie von mindestens 2 Jahren)
  • Es verfügt über eine USB-Schnittstelle, um es mit einem Universalgerät laden zu können
  • Es ermöglicht eine sichere Datenlöschung ohne Zusatzkosten für den Nutzer
  • Menschenrechte und Arbeitsbedingungen bleiben bei seiner Produktion gewahrt
  • Der Hersteller unterhält ein eigenes Handyrücknahmesystem

Bisher wurde das Umweltzeichen erst wenigen Handys verliehen. Dabei könnten einer aktuellen Untersuchung des Bundeamtes für Strahlenschutz zufolge aus Strahlenschutzsicht rund 45 Prozent der momentan erhältlichen Mobiltelefone mit dem „Blauen Engel“ ausgezeichnet werden, da ihr SAR-Wert unter 0,6 Watt pro Kilogramm liegt.