Telemedizin - Studien und aktuelle Projekte

Über den Nutzen und die Vorteile von Telemedizin wird seit vielen Jahren gesprochen. Mittlerweile gibt es Studienergebnisse und neue Erkenntnisse, die ein eindeutiges Bild zeichnen: Vor allem im ländlichen Bereich und dort, wo der Zugang zu medizinischen Versorgung schwierig ist, kommen die Vorteile der Telemedizin zum Tragen.

Studie der Berliner Charité mit Herzpatienten

Ärzte und Pfleger der Berliner Charité haben Herzpatienten in Deutschland aus der Ferne überwacht und mit dem Verfahren Todesfälle verhindert. Die aktuellen Studienergebnisse zeigen erstmals, dass Telemedizin bei Hochrisikopatienten mit Herzschwäche zu einem längeren Leben und weniger Aufenthalten im Krankenhaus führen, so die Studie. Die Effekte seien sowohl in städtischen als auch in ländlichen Gebieten beobachtet worden. An der sogenannten Fontane-Studie nahmen 1500 Herzschwäche-Patienten aus 13 Bundesländern nach der Krankenhaus-Entlassung teil. Diese Herzschwäche-Patienten hätten üblicherweise ein hohes Risiko, bald wieder eingeliefert zu werden oder zu sterben. An der Fernüberwachung nahm rund die Hälfte der Patienten teil, die andere Hälfte wurde konventionell versorgt. Mit einem Technik-Set sendeten die Patienten, ein Jahr lang täglich Daten nach Berlin. Etwa EKG-Werte, Blutdruck, Gewicht und eine Einschätzung zu ihrem aktuellen Gesundheitszustand. Die Geräte wurden den Angaben zufolge so konzipiert, dass auch ältere Menschen sie nach einer kurzen Schulung bedienen können. Waren Werte auffällig, reagierten Ärzte und Pfleger in einem rund um die Uhr besetzten Charité-Zentrum. Zum Beispiel, indem sie telefonisch eine Anpassung der Medikamenten-Dosis empfahlen oder gleich die Retter alarmierten. Anhand der Daten zeigten sich Verschlechterungen wie Wassereinlagerungen im Gewebe, noch bevor die Patienten Symptome bemerkten.

Telemedizin zur Versorgung im Justizvollzug

In Baden-Württemberg wurde ebenfalls eine positive erste Zwischenbilanz zu einem Telemedizinprojekt in Gefängnissen gezogen. Die Telemedizin habe großes Potenzial, die Mitarbeiter im Justizvollzugsdienst zu entlasten und die medizinische Versorgung der Gefangenen zu verbessern. Die medizinische Versorgung in den Gefängnissen sei in den Abend- und Nachtstunden sowie an Wochenenden und Feiertagen nicht einfach. Das Modellvorhaben war im Juni in sechs Gefängnissen in Baden-Württemberg angelaufen. Dabei berät ein online zugeschalteter Arzt den Gefangenen. Das Projekt soll - sofern die Bilanz nach der Pilotphase positiv ausfällt - auf alle Gefängnisse in Baden-Württemberg ausgedehnt werden.

Videosprechstunden in ländlichen Gebieten in Sachsen

Sachsen will die Entwicklung der Telemedizin ebenfalls vorantreiben. Mehr als 25 Projekte aus dem Bereich der Digitalisierung im Gesundheitswesen und der Telemedizin laufen derzeit. Ziel ist es, mit Telemedizin mehr Patienten zu erreichen und den Alltag dieser Patienten zu erleichtern. Digitale und telemedizinische Dienste wie eine Videosprechstunde können Menschen in ländlichen Gebieten die Busfahrt in die städtische Praxis und lange Wartezeiten ersparen. Zudem kann Telemonitoring chronisch kranken oder mobilitätseingeschränkten Patienten mehr Sicherheit im alltäglichen Umgang mit Ihrer Erkrankung ermöglichen und eine Ergänzung des medizinischen Systems darstellen.